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USA provozieren Russland in Syrien

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Aug 22, 2023

Von Alexandr Timochin

Während Russland in der Ukraine beschäftigt ist, werden Voraussetzungen für eine Eskalation in einer anderen Region geschaffen, wo russische Truppen präsent sind – nämlich in Syrien. Und das tun die USA direkt mit ihren Flugzeugen und Drohnen.

Voraussetzungen für Konfrontation

Im Jahr 2017, als die USA verstanden hatten, dass die Schaffung eines terroristischen Herds an Stelle von Syrien scheiterte, ergriffen sie Maßnahmen, die Syriens vollständigen Wiederaufbau als Staat nach dem Krieg verhindern sollten. Aus kurdischen Truppen, übergelaufenen Terroristen und einer Reihe von Stammesverbänden bildete Washington die so genannten „Demokratischen Kräfte Syriens“ und führte damit eine Operation gegen den Islamischen Staat östlich des Flusses Euphrat durch. Diese Operation sollte die Wiederetablierung der syrischen Staatsgewalt in diesen Gebieten verhindern und jeglichen Einfluss von Russland oder Iran dort ausschließen.

Zusätzlich wurden damit drei weitere Aufgaben gelöst. Erstens, eine Unterbrechung der iranischen Logistik und eine Verhinderung des Transits von iranischen Militärgütern nach Syrien und über Syrien. Zweitens, die Errichtung von Trainingslagern im besetzten Gebiet für Kämpfer, die den Krieg in Syrien fortsetzen würden, sollten die USA es benötigen.

Die dritte und wichtigste Aufgabe bestand darin, einen Wiederaufbau Syriens insgesamt zu verhindern. Vor dem Krieg zeichnete sich die vorderasiatische Republik durch einen vergleichsweise hohen Lebensstandard in Großstädten wie Aleppo oder Damaskus. Syriens Erfahrung im Handel und die Partnerschaft mit Iran würde dem Land eine Zunahme der Geschäftstätigkeit und einen schnellen Wiederaufbau ermöglichen.

Doch die Aktionen der USA führten dazu, dass Syrien den Großteil seines Ackerlands und sein gesamtes Erdöl verlor. Erlöse vom Ölverkauf werden heute zur Finanzierung der US-amerikanischen Besatzungspolitik in der Region genutzt.

Leider konnte Russland die Umsetzung dieser Pläne nicht verhindern. Moskau und Washington schlossen eine Reihe von Abkommen zur Deeskalation entlang der Kontaktlinie in Syrien, die im Wesentlichen entlang des Euphrat verläuft.

Die Zuspitzung der Beziehungen zwischen Russland und den USA wegen Washingtons Unterstützung für das Kiewer Regime führte zwangsläufig zu einer zunehmenden Anzahl von Zwischenfällen zwischen russischen und US-amerikanischen Kräften in Syrien. Solche Vorfälle ereignen sich seit Langem, doch in den letzten Wochen kam es zu einer Eskalation. Gefährliche Annäherungen von Flugzeugen passieren viel öfter und werden meist von US-Amerikanern initiiert.

Besonders unangenehm ist, dass US-Piloten mit ihren Radaren russische Flugzeuge anvisieren. Dies ist nur einen Schritt vom Abfeuern der Bordwaffen entfernt. Mehr noch, in solchen Fällen kann es zufällig dazu kommen. Die Lage eskaliert und erfordert eine nüchterne Analyse.

Möglichkeiten des Gegners

Offensichtlich wollen die USA keinen direkten Krieg mit Russland, deswegen ist ein umfassender Angriff auf russische Truppen in Syrien unwahrscheinlich. Dennoch sind beschränkte Gefechte möglich, die später ihren unmittelbaren Teilnehmern angelastet oder als Ergebnis eines Fehlers dargestellt werden könnten.

Die USA wären dazu durchaus im Stande. Ihre Gründe würden vom Versuch reichen, „die Russen auf ihren Platz zu weisen“ (ein irrationaler Faktor, doch sind irrationale Faktoren für die USA viel wichtiger, als für Russland) bis zu einem Versuch, den Ländern der Region die beschränkten Möglichkeiten der russischen Streitkräfte in Syrien zu demonstrieren.

Für die bloße Möglichkeit einer solchen Eskalation ist die Psychologie der US-Militärs ausschlaggebend. Es sollte angemerkt werden, dass die Handlungsautonomie der US-Kommandeure im Vergleich zu ihren russischen Kollegen viel höher ist. Auch das gesamte Weltbild der US-Amerikaner begünstigt solche „Initiativen“. Den USA fällt es psychologisch sehr schwer, Niederlagen anzuerkennen, und noch schwerer, nachzugeben. Eigene Angriffe auf Drittländer betrachten sie als Normalität, und den Widerstand der Angegriffenen – als eine Herausforderung für diese Normalität.

Wäre ein US-Flugzeug sogar zufällig abgeschossen worden, könnten die USA einen begrenzten Angriff auf die russischen Streitkräfte unternehmen und nach einem Gegenschlag einen noch stärkeren Angriff führen, um nicht nachzugeben. Die Tatsache, dass die USA selbst das Feuer zuerst eröffneten, würde außerhalb von Russland niemanden kümmern.

Eine solche Eskalation könnten die USA auf allen Ebenen betreiben. Betrachten wir ein hypothetisches Szenario. Nehmen wir an, irgendwo in Syrien feuert der Pilot einer F-35 zufällig eine Rakete auf ein russisches Flugzeug ab. Der russische Pilot würde reagieren und den Angreifer abschießen. Um den Tod des US-Piloten zu rächen und nicht als Verlierer dazustehen, könnte der lokale US-General einen begrenzten Raketenangriff gegen die russischen Truppen anordnen. Später würde sich das Pentagon hinzuschalten, dessen Generäle einen russischen Gegenschlag als eine Ohrfeige betrachten würden. Und so könnten wir über wenige Zwischenschritte bei einer schwerwiegenden militärischen Konfrontation von zwei größten Nuklearmächten landen, zumal die geistigen Kapazitäten des gegenwärtigen US-Oberbefehlshabers zu bezweifeln sind.

Hier ist ein Beispiel aus der Vergangenheit bezeichnend. Am 15. November 1969 hatte das sowjetische Atom-U-Boot K-19 im Barenzsee unbeabsichtigt die US-Submarine „Gato“ gerammt. Die Folgen des Einschlags erschienen fatal. Die US-Besatzung rettete sich buchstäblich durch ein Wunder, und der Kommandant des Torpedoraums der „Gato“ befahl einen Angriff auf das sowjetische U-Boot und fragte nicht einmal nach einer Erlaubnis des Kapitäns. Letzterer konnte ein Abfeuern der Torpedos gegen die K-19 im letzten Moment verhindern.

Das geschah am Höhepunkt des Kalten Kriegs, als sich sowjetische Flugabwehrmannschaften bereits nach Vietnam begaben. Wozu würde ein US-amerikanischer Torpedoangriff gegen ein sowjetisches Atom-U-Boot unweit der sowjetischen Küste führen? Zu einem Gegenschlag? Und wozu würde dieser führen? Dabei hatte die Rücksichtslosigkeit der USA, ihre Aggressivität und der unbeirrbare Glaube an das eigene Recht, die Welt zu beherrschen, seitdem nur zugenommen.

Somit sind die Risiken eines zufälligen Angriffs oder einer US-amerikanischen Provokation mit einer anschließenden unkontrollierbaren Eskalation als real zu betrachten.

In dieser Hinsicht sind die USA bei einem potentiellen Angriff auf den russischen Luftstützpunkt Khmeimim durch nichts gebunden. Zwar verfügt Khmeimim über hervorragenden Schutz durch Komplexe S-400 und Panzer, doch die USA kennen bestens ihre Anzahl und ihre Reichweite. Es ist immer möglich, auszurechnen, wie viele Raketen die russische Luftabwehr abschießen kann, bevor sie überlastet wird, und mehr abzufeuern.

Die Möglichkeiten der USA für Raketenangriffe sind groß. Jeder US-Zerstörer verfügt über einen Vorrat an Raketen des Typs Tomahawk, und es gibt immer mehrere solche Schiffe in der Region. Ein Bomber könnte mit Nachtanken in der Luft direkt aus den USA anfliegen. Einen solchen Angriff abzuwehren, wäre technisch unmöglich.

Was Russland allerdings hat, ist das Potential für einen Gegenschlag. Kaliber-Raketen aus dem Kaspischen Meer ebenso wie Marschflugkörper von den Bombern können die US-Stützpunkte auf der Arabischen Halbinsel und in Syrien erreichen. Und wie auch umgekehrt, könnten die USA einen solchen Angriff nicht abwehren. Dies verhindert einerseits ihre organisierten Angriffe auf die russischen Kräfte in Syrien, würde aber eine spontane Eskalation, die oben beschrieben wurde und auf eine unglückliche Provokation der USA folgen könnte, keinesfalls stören.

Die zweite Schwachstelle der russischen Gruppierung in Syrien ist ihre Versorgung. Heute verläuft die Hauptroute dafür über den Meeresweg durch Bosporus und die Dardanellen. Die Türkei lässt zwar keine Kriegsschiffe durch die Meerengen durch, doch die vom russischen Verteidigungsministerium gefrachteten Zivilschiffe passieren problemlos. Doch bei einem Austritt aus den türkischen Territorialgewässern könnte sie ein Drittland angreifen oder kapern.

Schließlich existiert eine dritte Variante der antirussischen Aktionen der USA in Syrien, und zwar keine spontane, sondern eine durchaus planmäßige – nämlich die wiederholte Entfachung eines Kriegs auf dem syrischen Gebiet. Die USA haben eine große Erfahrung dabei versammelt, Einweg-Terrorgruppen einzusetzen, um die Staatlichkeit ihrer Opfer zu zerstören. Ihr Spezialtruppenstützpunkt im besetzten syrischen At-Tanf existiert immer noch, und während all den Jahren wurden dort Kämpfer ausgebildet.

Freilich sind die bisherigen Erfolge der USA in dieser Hinsicht eher beschränkt. Doch diejenigen Kämpfer, die sie mobilisieren könnten, würden ausreichen, um Chaos in den Gebieten am Ufer von Euphrat zu stiften. Und eine Wiederaufnahme der Unterstützung der Gruppierungen in Idlib, die die USA zwischenzeitlich eingestellt hatten, würde eine weitere Front gegen die syrische Regierung und Russland eröffnen.

Eine Deeskalation ist notwendig

Somit stehen sowohl Russland als auch die USA in Syrien an einer sehr gefährlichen Kante. Jede Achtlosigkeit und jeder Zufall könnten ein Pulverfass zum Explodieren bringen. Beide Seiten sind hier an einer Deeskalation interessiert. Doch in erster Linie wäre ein Zusammenstoß mit den USA in Syrien für Russland ungünstig.

Selbst ein einziges Gefecht wäre unvorteilhaft. Ein bei einem Zwischenfall abgeschossenes US-Flugzeug könnte einen Krieg herbeiführen, selbst wenn die USA zuerst angreifen. Ein abgeschossenes russisches Flugzeug, würde Russlands Autorität in der Region untergraben, wenn es straflos geschehen würde. Russland braucht weder das Eine noch das Andere. Es ist notwendig, die zunehmende Eskalation im syrischen Himmel zu stoppen – je schneller, desto besser.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei Wsgljad.

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